Beispiel: Studioangriff von Manuellsen auf Animus
Studioangriff:
Manuellsen vs. Animus

Im Jahr 2019 kam es zu einem Vorfall, der die Verknüpfung von inszenierter Gewalt und realer Gewalt in der Rap-Szene deutlich macht:
Der Rapper Manuellsen griff Animus in einem Studio an. In den sozialen Medien kursierte später ein Video, das den Vorfall dokumentieren sollte – allerdings stark gekürzt und ohne klaren Kontext. Animus zeigte Manuellsen nach der Tat an und es gab einen Gerichtsprozess. Manuellsen wurde wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung zu einer Bewährungsstrafe von 15 Monaten verurteilt. Bis heute gibt es jedoch unterschiedliche Versionen des Geschehens: Während Animus von massiver Gewalt berichtet, bestreitet Manuellsen bestimmte Vorwürfe.
Zwei Sichtweisen
| Animus | Manuellsen |
|---|---|
| Video sei stark gekürzt, zeigt nicht den wahren Ablauf, zum Beispiel, dass Manuellsen ein Messer in der Hand hatte. | Hat Animus laut eigener Aussage „nur“ drei Ohrfeigen gegeben und kein Messer dabei gehabt. |
| Manuellsen kam mit drei weiteren Männern: Der Kampf war also unausgeglichen: Fair wäre laut Animus eins gegen eins gewesen. → es gibt offenbar legitime und illegitime Gewalt | Legitimiert den Angriff damit, dass Animus seine Frau beleidigt habe (Verteidigung der Ehre seiner Frau). |
| Stellt sich als „machtloses Opfer“ einer Tat dar (Schultz) → thematisiert damit Verletzlichkeit, was nicht in das hypermaskuline Männlichkeitsbild passt →die Einsicht über eigene Schwächen wird von Animus als (männliche) Reife dargestellt. | Manuellsen spricht ihm die Zugehörigkeit zum Gangsta-Rap-Genre ab, da seinen Worten keine Taten folgen. Das bedeutet: Bereitschaft zur realen Gewalt ist ein wichtiges Kriterium, wer sich das Label Gangsta-Rapper zuschreiben darf und wer nicht. „Der hängt doch nur mit Deutschen ab, was nicht n Problem ist, aber Yani, der ist Student, der muss normalerweise in der Community von Casper sein, oder Marteria, das ist seine Sparte normalerweise, aber nein, er will unbedingt in die Bozz-Music-, König-im-Schatten-, Azzlack-Ecke, […] weil da ist es natürlich cooler.“ (Manuellsen) |
| Kritisiert Manuellsen dafür, das Video hochgeladen zu haben und Gewalt für Aufmerksamkeit zu benutzen. „Du bist dabei dein ganzes Leben zu verschwenden, […] um im Internet der King zu sein.“ (Animus) | Wirft Animus vor, „Beef“ (Streitigkeiten) mit anderen Rappern nur für den eigenen Erfolg zu nutzen, also um Aufmerksamkeit über das Internet zu bekommen. |
Reaktionen und Bedeutung
In der Szene ist die öffentliche Zurschaustellung realer Gewalt umstritten – besonders, wenn der Kampf nicht fair wirkt (kein Eins-gegen-eins) oder als zu brutal gilt (Schultz 2022). Es gab viel Kritik von Medien und von Hörer:innen an Manuellsen für seine Tat (Vice-Artikel). Das zeigt, dass die Inszenierung von Gewalt in Rap-Texten zwar nach wie vor ein wichtiger Teil des Gangsta-Raps sind. Jedoch wird die tatsächliche Anwendung von Gewalt nicht hinterfragt und kritisiert.
Fazit
Der Vorfall zeigt, wie stark Gewalt im Rap zwischen Inszenierung und Realität schwankt. Gleichzeitig wird bei dem Beispiel des „Studioangriffs“ deutlich, wie Gewalthandlungen genutzt werden, um Stärke und Männlichkeit zu demonstrieren. Die Bewertung durch Rapper*innen und Publikum ist dabei unterschiedlich: Einerseits stehen solche Taten für traditionelle männliche Ideale wie Härte und Dominanz- Andererseits reagieren viele in der Szene und auch Fans zunehmend kritisch bis abweisend darauf. Somit scheint es hier eine Veränderung zu geben, wobei auch andere Formen von Männlichkeit mehr Raum bekommen.
Zuletzt hat Animus Manuellsen wiederholt zu einem Kampf in einem Boxring aufgefordert, um den Streit zu beenden. Manuellsen lehnte mit der Begründung ab, dass er bei einem Boxkampf seinen Gegner respektiert, er jedoch jeglichen Respekt gegenüber Animus verloren habe.

Was denkst du? Wenn ein*e Rapper*in Gewalt öffentlich zeigt: Ist das noch Kunst und Teil des Rapper-Image, oder wird damit eine Grenze überschritten?
Statement Animus auf YouTube: Animus Videobotschaft BM4 & Studioangriff
Statement Manuellsen im Interview mit Hiphop.de: Manuellsens Stellungnahme zum Beef mit Animus (Interview) #waslos
Gerichtsprozess: Laut.de (12.08.2020): Manuellsen:15 Monate Haft auf Bewährung
Raptastisch (17.04.2025): 6 Jahre nach Studioangriff – Animus will gegen Manuellsen kämpfen
Bildquellen:
Studio: Foto von Jonathan Velasquez auf Unsplash