Rassimus im Rap


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Was ist eigentlich Rassismus?

Rassismus bedeutet, dass Menschen wegen äußerlicher Merkmale oder ihrer Herkunft diskriminiert, abgewertet und ausgegrenzt werden. Dazu gehören zum Beispiel die Hautfarbe, die Haare, der Name, die Sprache oder die Religion. Rassismus basiert auf der falschen Annahme, dass es bei Menschen verschiedene „Rassen“ gibt – und dass manche dieser „Rassen“ mehr wert wären als andere.

Wissenschaftlich ist längst bewiesen: Es gibt keine biologischen „Rassen“ beim Menschen. Trotzdem halten sich rassistische Vorurteile hartnäckig. Ein rassistischer Gedanke könnte sein: „Menschen mit weißer Haut sind klüger oder wichtiger als Menschen mit dunkler Haut.“ Dabei wird die Persönlichkeit des Einzelnen ignoriert – stattdessen werden pauschale Urteile über ganze Gruppen gefällt.

Rassismus führt dazu, dass Menschen verletzt, benachteiligt oder ausgegrenzt werden. Um Rassismus zu bekämpfen, ist es wichtig, darüber zu sprechen, zuzuhören und Begriffe bewusst zu wählen. Denn Sprache kann verletzen – aber auch verändern.

Viele Rapper*innen kritisieren in ihren Texten rassistisches Denken und Handeln. Andere dagegen machen in ihren Texten selbst rassistische Aussagen. Außerdem nutzen seit einigen Jahren vermehrt auch Rechtsextreme Rap, um ihr Gedankengut zu verbreiten. Manchmal ist der Rassismus in den Texten offensichtlich, manchmal muss man jedoch bestimmte Anspielungen und Codewörter kennen, um ihn zu entdecken.

Zitate

“Diese Syrer vergewaltigen dein Mädel, Bitch
Sie sagt, „Lass mich in Ruhe!“, doch er versteht sie nicht”

Kollegah und Farid Bang („0815“)

“Pass besser auf, Zigeuner zocken deine Potte
In deiner Stadt cool, an meinem Block bist du ein Opfer”

Juju und Said („Berliner Schnauze“)

“Körper voller Edelmarken, überlegene DNA”

Kollegah („Bossaura“)

Warum ist das rassistisch?

“Diese Syrer vergewaltigen dein Mädel, Bitch Sie sagt, „Lass mich in Ruhe!“, doch er versteht sie nicht”

Rassismus entsteht dann, wenn Menschen nicht als Einzelpersonen gesehen werden, sondern man sie aufgrund bestimmter Eigenschaften oder ihrer Zugehörigkeit pauschal verurteilt oder abwertet. Syrische Männer werden hier als sexuell gewalttätig dargestellt.  Damit wird eine ganze Gruppe von Menschen aufgrund ihrer Herkunft stigmatisiert.

Auch die religiöse Zugehörigkeit spielt hier eine Rolle. Denn in Syrien sind viele Menschen muslimisch (obwohl es auch viele christliche Gemeinden) gibt. In dem Zitat wird das rassistisches Bild des triebgesteuerten Muslims genutzt. Diskriminierungen, die sich gegen muslimische Menschen richten, wird antimuslimischer Rassismus genannt.

“Pass besser auf, Zigeuner zocken deine Potte In deiner Stadt cool, an meinem Block bist du ein Opfer”

Diese Liedzeile ist rassistisch, weil sie antiziganistische Vorurteile (Rassismus gegenüber Sinti und Roma) verbreitet. Sinti und Roma werden als kriminell dargestellt, wobei das Z-Wort ein abwertender und diskriminierender Begriff für diese Gruppen ist. Vorurteile dieser Art haben in Europa eine lange Geschichte. Im Nationalsozialismus  galten Roma und Sinti als „rassisch minderwertig“, sie wurden verfolgt, in Konzentrationslager gebracht und hunderttausende von ihnen wurden ermordet. Wenn solche Begriffe und Stereotype heute noch in Liedern vorkommen, ist das problematisch, weil sie an diese rassistischen Denkmuster anknüpfen und sie weiterverbreiten.

“Körper voller Edelmarken, überlegene DNA”

In dieser Liedzeile wird behauptet, dass es so etwas wie „überlegene DNA“ gibt. Das ist eine Form von biologischem Rassismus. Es wird die Vorstellung verbreitet, dass manche Menschen aufgrund von genetischen Merkmalen wertvoller seien als andere. Diese Vorstellung ist wissenschaftlich falsch und gefährlich. Im Nationalsozialismus wurden Menschen auf der Grundlage solcher Behauptungen systematisch verfolgt.

 


Quellen:
Begriffserklärung „Rassismus“: D. Meyer et. al. (2022): „Rassismus“. In: Bundeszentrale für politische Bildung/bpb (Hrsg.): einfach POLITIK: Lexikon. Bonn.
Scriba, Arnulf (2014): „Ausgrenzung und Verfolgung von Sinti und Roma“, Deutsches Historisches Museum.
Hazran, Yusri (2025): „Alawiten, Drusen, Christen. Kurden. Minderheiten in Syrien“, bpb.
Einordnung der Zitate: Brüss, Sophie et. al. (2024): Bildungsmaterial zu Antisemitismus und Misogynie im deutschsprachigen Rap. FGZ, Universität Bielefeld, SABBRA.

Bildquellen:
Glühbirne mit Buch: Knowledge icons – Flaticon