Exkurs: Rechtsextremismus im Deutschrap

Aufgrund seiner afroamerikanischen Ursprünge wurde Rap von Rechtextremist*innen lange abgelehnt. Erst als Deutschrap den Mainstream eroberte und immer mehr junge Menschen das Genre für sich entdeckten, versuchte auch die rechte Szene sich die Reichweite der Musik zunutze zu machen. Seit Anfang der 2010er Jahre beginnen Gruppen wie „Villain 051“ oder „NS Soundsystem“  das ansonsten in Deutschland vor allem migrantisch geprägte Genre zu bedienen. Erst der rechtsradikale Rapper „MaKss Damage“ schaffe es jedoch, in der Szene populär zu werden.

Während „MaKss Damage“ offen neonazistische Inhalte verbreite, haben seit Mitte der 2010er Jahre auch Rapper wie „Chris Ares“ und „Proto“ Erfolg, die subtiler agieren und nicht auf den ersten Blick als Rechtsextremisten zu erkennen sind. Sie inszenieren sich als Patrioten und verbinde klassische Stilmittel des Rap und Gangsta-Rap mit dem Vokabular der Neuen Rechten oder der „Identitären Bewegung“. Die Abrufzahlen der Musik in den Sozialen Medien lassen vermuten, dass der rechtsradikale Rap auch außerhalb der Szene gehört wird und Anklang findet.

dekorativ

Die Identitäre Bewegung ist eine rechtsextreme, neu-rechte Gruppierung, die sich seit etwa 2012 in Deutschland formiert hat. Die Bewegung propagiert den sogenannten Ethnopluralismus: Völker und Kulturen sollen getrennt bleiben und sich nicht „vermischen“. Mitglieder inszenieren sich als Vertreter der „abendländischen Kultur“, die angeblich vom Islam bedroht ist. 2014 wurde die Gruppe offiziell als Verein registriert. Der deutsche Verfassungsschutz beobachtet die Bewegung, die online und durch Aktionen im öffentlichen Raum versucht, rassistisches Gedankengut zu verbreiten und deshalb als rechtsextrem einzustufen ist.

Wichtige Akteure des rechtsextremen Raps

„Neuer Deutscher Standard“ (NDS)

Bei „Neuer Deutscher Standard“ handelt es sich um ein rechtsextremistisches Musiklabel, das 2019 von „Chris Ares“ in Bautzen ins Leben gerufen wurde. Bereist im ersten Jahr nach der Gründung von NDS erreichten „Chris Ares“ und „Proto“ mit dem Song „Neues Deutscher Standard“ Platz 6 der deutschen Download Charts. Mit dem Einstieg der Rapper Kavalier und MaKss Damage in den Jahren 2022 und 2023 radikalisierte sich das Label weiter.

Der Autor und Regisseur Tobis Ginsburg berichtet in seinem im Jahr 2021 erschienen Buch „Die letzten Männer des Westens“ von dieser zunehmenden Radikalisierung, nachdem er die Mitglieder des Labels undercover für mehrere Monate begleitet hatte. (Quelle!)

MaKss Damage (MKD)

Laut dem Verfassungsschutz handelt es sich bei dem Rapper „MaKss Damage“ (MKD), mit bürgerlichem Namen Julian Fritsch, um einen Vorreiter des rechtsextremistischen Raps. Während seine ersten Alben nach eigener Aussage in der „linken Szene“ verortet waren und stalinistische Aussagen verbreiten, ist er seit etwa 2011 Teil der rechtsextremistischen Szene. In einem Interview mit dem rechten Portal medinet-west bekannte er sich dazu, in der Neonaziszene aktiv zu sein. Sein Album „2033“ wurde indiziert, weil „MaKss Damage“ darin den Nationalsozialismus verherrlicht und zu Hass und Gewalt aufruft.

Chris Ares

Chris Ares, der mit bürgerlichem Namen Christoph Zloch heißt, ist ein rechtsextremistischer Rapper. Sein Youtube-Kanal hatte zwischenzeitlich mehr als 80.000 Abonennten, bevor er aufgrund von Hassrede gesperrt wurde. Öffentlich distanziert sich Ares anders als etwa MaKss Damage vom Neonazismus, jedoch erklärt Sönke Meußer vom Verfassungsschutz der ZEIT: „Ares versucht, rechtsextremistische Ideologeme in seiner Musik und seinen Beiträgen in sozialen Netzwerken zu verschleiern, indem er diese als Ausdruck einer vermeintlich unverfänglichen patriotischen politischen Einstellung darstellt. Umso mehr besteht die Gefahr einer Radikalisierung von bislang nicht der rechtsextremistischen Szene zugehörigen Personen, die diese Inhalte im Internet konsumieren.“ Seit er vom Verfassungsschutz beobachtet und als rechtsextrem eingestuft wird, hat sich Ares aus dem Musikgeschäft zurückgezogen.

Einige Beispiele

„Alle Farben auf Mutter Erde
leben eigen, nach ihrem Wesen,
nur der Weißton soll aussterben,
sie wollen ihn ausmerzen.“

„Ich will mein Land zurück“ von MaKss Damage (MKD)

„Wir singen für den Fortbestand von München bis zum Nordseestrand
die Hauptmeister sind euch bekannt
bei unseren Hits ist sogar Sylt am singen
jeder weiß, es wird Zeit, dass wir den Müll rausbringen (…)
Düsi Düsi, das Land im Fieber, Düsi Düsi, der Abschiebeflieger“

„Düsi Düsi“ von Kavalier und Proto

„Was Karl Martell und Prinz Eugen im blutigen Kampf zerschlugen
Drängt heute aufs Neue darauf, unser liebes Land zu fluten“

„Europa“ von Komplott und Chris Ares

„Denn so wie du hier grad bist, hast du hier nichts mehr verlor’n,
nein, du bist kein echter Deutscher, bist du auch mal hier gebor’n.“

„Abschiebehauptmeister“ von Proto und Kavalier
Thought

Um was geht es in diesen Songs? Warum lassen sie sich als rassistisch oder rechtsextremistisch bezeichnen?


Quellen: Verfassungsschutz (2026). Rechtsextremistische Musik. Ein Überblick über Erscheinungsformen, Verbreitung und Bedeutung (23-26).
Bundeszentrale für politische Bildung. Glossar: Identitäre Bewegung.
Rowohlt Verlag: Die letzten Männer des Westens – Tobias Ginsburg.
Die Zeit (14.08.2020): Daniel Schieferdecker, „Rechter Rap: Die rechte Box auf Anschlag“.
Die Zeit (08.12.2023): Mathis Raabe, „Rap und Rechtsextremismus: Kampf auf allen Plattformen“.

Bildquellen:
Glühbirne mit Buch: Knowledge icons – Flaticon